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2026/1 Dankbarkeit und Opfergabe

In seinem Buch „Staunen und Dankbarkeit“ zitiert Br. David Steindl-Rast OSB die Worte seines Lehrers und Zen-Meisters Eido Shimano Roshi:

«… Vor ein paar Tagen ging ich am Fluss entlang. Der Wind wehte. Plötzlich dachte ich: ‹Oh, die Luft existiert wirklich!› Wir wissen, dass die Luft da ist, aber solange uns nicht der Wind ins Gesicht weht, sind wir uns ihrer nicht bewusst. Vom Wind umweht, wurde mir plötzlich bewusst, dass sie wirklich da ist.

Genauso ist es mit der Sonne. Plötzlich nahm ich die Sonne wahr, die durch die kahlen Bäume schien. Ihre Wärme, ihre Helligkeit ‒ alles vollkommen frei, vollkommen gratis. Wir können sie einfach genießen. Und ohne es bewusst zu wollen, völlig spontan, legte ich die Hände gegeneinander und machte ‹gassho› [eine rituelle Verneigung]. Da wurde mir klar, dass es nur darauf ankommt: dass wir uns verbeugen, tief verbeugen können. Nur das. Einfach nur das. »[1]

 

Br. David schreibt in seinem Buch dazu:

Denen unter uns, die durch den Glauben bereits in dieses Geheimnis eingedrungen sind, braucht es nicht erklärt zu werden; den anderen kann es nicht erklärt werden. Aber in dem Maße, wie in unseren Herzen Raum für Dankbarkeit ist, haben wir alle an dieser Wirklichkeit teil, wie auch immer wir sie nennen. Es ist eine Wirklichkeit, die wir nie ganz erfassen werden. Worauf es ankommt, ist, dass wir uns von ihr ergreifen lassen, dass wir die innere Gebärde von Dankbarkeit und Opfer vollziehen. Der Vollzug dieses Übergangs führt uns zur Einheit mit uns selbst, zur Einheit mit allen anderen und zur einen Quelle des Lebens. Denn «… nur darauf kommt es an: dass wir uns verbeugen, tief verbeugen können. Nur das, einfach nur das».[2]


[1] https://www.bibliothek-david-steindl-rast.ch/bibliothek/buecher-cd-dvd/buecher-von-david-steindl-rast/staunen-und-dankbarkeit, Seite 40

[2] Ebd., Seite 54

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