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2026/10 Im Klang der Stille baden

Unserer visuell geprägten Welt ist das Lauschen abhandengekommen. Dabei stellt der Hörsinn nicht nur das Sinnesorgan dar, das uns am längsten in der Sterbephase erhalten bleibt, sondern das Hören, nicht als Zuhören im Rahmen des sprachlichen Austausches, sondern das Hören als reine Sinneswahrnehmung, ist ungemein direkt.

Rein hörend, kann ich der Welt nicht so gegenüberstehen, wie das stets auch abmessende Sehen. Hörend bin ich sofort eingewoben und „mittendrin“. Das Mark des Arztes, wie auch des Mystikers, besteht im Lauschen. Es bildet die Seele jeden Gesprächs. Hörend erfasse ich auch die Gesamtheit des Raumes. Wir baden immer im Klang. Das Hören stellt ein Innehalten dar, ein öffnen für den Raum der Möglichkeiten. Hören ist aktiv und passiv: Ich höre, und gleichzeitig trete ich hinter dem Gehörten zurück. Ich bin bereit, mir etwas sagen zu lassen und meine Agenda hintanzustellen. Ich halte mich nach außen hin unprätentiös, schlicht. Im Inneren jedoch bin ich gespannt mit der höchsten Aufmerksamkeit, die ich aufbringen kann.

Der Weg der Befreiung führt über das Lauschen. Die Verbundenheit mit allem zeigt sich im Klang. Wir geben so dem Universum die Gelegenheit, uns berühren zu lassen: Durch das, was mein Herz hört.


(Aus dem Beitrag von Friederike Boissevain: „Der die Rufe der Welt hört“ in der Festschrift “In wachsenden Ringen“, hrsg. von Klaudia Menzi zum 100. Geburtstag von Bruder David, S. 31 f.)

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