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2026/2 Kompass des Herzens


 

„Religion ist Ehrfurcht“, sagt Thomas Mann, „die Ehrfurcht zuerst vor dem Geheimnis, das der Mensch ist.“

Das Menschliche ist unendlich mehr als das Nur-Menschliche. Und das Natürliche ist unendlich mehr als das Nur-Natürliche. Dafür legt Einstein als Naturwissenschaftler, aber auch als Mensch, Zeugnis ab:

„Wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann, ist seelisch bereits tot.“

Ehrfurcht macht das Herz weit und lebendig. Ehrfurcht als menschliches Urgefühl klingt in uns an, wenn wir sie nur nicht durch Lärm und Ablenkung übertönen.

„Gott ist in der Mitte“, schreibt der Mystiker, Gerhard Teerstegen, und fügt gleich hinzu:

„Alles in uns schweige.“

Nur wenn wir den Kompass unseres Herzens stillhalten, kann die Kompassnadel sich auf den rechten Orientierungspol einspielen. Stille schafft Raum, in dem Ehrfurcht sich entfalten kann.

Die Indianer wussten das. Sie sagten „ein richtig erzogenes Kind kann sitzen und schauen, wenn nichts zu sehen ist; es kann sitzen und horchen, wenn nichts zu hören ist.“

Uns auf dieses Nichts immer wieder auszurichten - auf das Nichts, aus dem alle Fülle des Daseins entspringt -, das heißt Ehrfurcht pflegen.

Gibt es etwas, das besser geeignet wäre, unsere Welt zu erneuern?

 

Br. David Steindl-Rast OSB

 


 https://www.bibliothek-david-steindl-rast.ch/images/03_archiv/texte/von/2025/kompass_des_herzens_das_geschen_d_stille.pdf

 

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