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10 Kernfähigkeiten im Dialog

Aktualisiert: 28. Juli 2023


„Nehmen wir an, wir wären in der Lage, Bedeutungen frei zu teilen, ohne den zwanghaften Drang, unsere Sichtweise durchzusetzen oder sich der anderer anzupassen, und ohne Verzerrung und Selbsttäuschung.

Wäre dies nicht eine echte Kulturrevolution?”

Quelle: David Bohm Changing Consciousness (engl. Originalzitat)


In unserem Offenen Raum pflegen wir von Anfang an den Spiraldialog. Diese besondere Form des Dialogs gründet sich auf den „Dialog nach David Bohm“. Für mich ist diese Art des Gesprächs eine besondere Art der Begegnung und wunderbar geeignet, einen Begegnungsraum „von Herz zu Herz“ zu begleiten.


Martina und Johannes Hartkemeyer sowie Freeman Dhority beschreiben in ihrem Buch “Miteinander denken. Das Geheimnis des Dialogs” zehn Kernfähigkeiten im Dialog. Sie ermöglichen allen Beteiligten, sich in der Disziplin des Dialogs zu üben.


Das Dialogprojekt St. Arbogast hat diese Kernfähigkeiten zusammengefasst:


10 Kernfähigkeiten im Dialog


1. Die Haltung eines Lerners verkörpern

Diese Fähigkeit ermöglicht es uns, wieder neugierig zu sein und unsere kulturelle Konditionierung als Wissende aufzutreten, abzulegen. Der Zen-Meister Shunryu Suzuki hat es folgendermaßen formuliert: »Im Anfängergeist gibt es viele Möglichkeiten. Im Geist des Experten gibt es wenige«.


2. Radikaler Respekt

Respekt heißt für uns, die andere Person in ihrem Wesen als legitim anzuerkennen. Respekt ist aktiver als Toleranz: ich bemühe mich darum, die Welt aus der Perspektive des anderen zu betrachten.


3. Offenheit

Dies bedeutet, die Bereitschaft mitzubringen, offen zu sein für neue Ideen, für andere Perspektiven, offen dafür, lang gehegte Annahmen in Frage zu stellen.


4. Sprich von Herzen

Damit ist gemeint, dass ich von dem spreche, was mir wirklich wichtig ist, mich wesentlich angeht. Ich rede nicht, um rhetorisch zu brillieren, zu theoretisieren, einen Vortrag zu halten. Ich fasse mich kurz.


5. Zuhören

Hier geht es um qualitatives Zuhören: das heißt, ich lausche dem anderen so vorbehaltslos wie möglich sowie mit empathischer Zugewandtheit, welche die/ den SprechendeN einlädt, ihre/seine eigene Welt vertrauensvoll sichtbar zu machen.


6. Verlangsamung

Im Dialog wollen wir unseren automatischen gedanklichen und emotionellen Mustern auf die Schliche kommen. Ohne Verlangsamungsprozess sind wir dazu kaum in der Lage.


7. Annahmen und Bewertungen »suspendieren«

Unsere individuell unterschiedlichen Glaubenssätze, Interpretationen und Annahmen liefern den Zündstoff für endlose Missverständnisse und Konflikte. Im Dialog üben wir, unsere Annahmen und Bewertungen offenzulegen und in der Schwebe zu halten.


8. Produktives Plädieren

Dies ist eine Einladung dazu, die Wurzeln meines Denkens und Fühlens auszusprechen. Ich benenne also nicht nur das »Endprodukt« (ein Statement), sondern auch die Annahmen, Bewertungen, Vorurteile sowie Beobachtungen, die mich dazu geführt haben.


9. Eine erkundende Haltung üben

Ich gebe meine Rolle als Wissende auf und entwickle echtes Interesse an dem, was anders ist als ich es bereits kenne. Damit ist eine Haltung von Neugier, Achtsamkeit und Bescheidenheit gemeint: »Ich weiß nicht, doch ich möchte gerne darüber erfahren«.


10. Den Beobachter beobachten

Dies bedeutet, dass ich mich im Dialogprozess selbst beobachte und mich darum bemühe, mir meiner eigenen Denk-, Gefühls- und Reaktionsmuster bewusst zu werden.


Spiraldialog


Der Spiraldialog ist eine Sonderform des Dialogs. Ich habe ihn in Aufstellungs-Workshops von Siegfried Essen erstmals kennengelernt. Er wird hier auf Seite 29 einer Dissertation an der Universität Kassel von Gabriele Maria Plesse-St. Clair sehr schön beschrieben. Besonders treffend finde ich die Aussage "...und sind immer wieder überrascht, wie....nach kurzer Zeit ein Kraftfeld entsteht. Dies führt dazu, dass die Beteiligten nach Beendigung der Spirale zumeist eine tiefe Verbundenheit mit sich selbst spüren, die auch mit einem körperlichen Wohlbefinden einhergeht, und spontan zu Erkenntnissen und Einsichten gelangen."


Meist gelingen zwei Spiraldialogrunden, von denen die zweite so etwas wie Antwortcharakter auf die Erste hat. Begleitet wird der Spiraldialog von Phasen der Stille zu Beginn und am Ende.


Der Offene Raum ist seit März 2020 jeden Dienstag von 18:00 bis 19:30 Uhr für alle geöffnet. Jede und jeder ist willkommen, es gibt keine Vorbedingungen. Für jene, die den Offenen Raum zum ersten Mal betreten, gibt es zu Beginn eine kleine Einführung.


Herzlich willkommen!


Bildquelle: : Felix Mittermeier (CC0 1.0) - Pixabay

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